der groschen fällt… jetzt erst

welcher groschen? DER groschen. der ICH-BIN-NOCH-AM-LEBEN-GROSCHEN. ich vermute das hängt mit dem sich jähren der diagnose zusammen. letztes jahr um diese zeit gabs für viele dinge ein erstes mal. über die man gar keine zeit hatte nach zu denken. erstes staging. erste op. erste chemo. erste nebenwirkungen. erstes fieber. erste spritze gegen fieber. erster haarverlust. erstes und (ich gehe fest davon aus) das letzte weihnachten mit glatze. gerade jetzt fühlt sich alles sehr präsent an. normalerweise schwirrt diese erfahrung meilenweit in einer seifenblase weit hinter meinereiner her. aber nicht zur zeit. ich erinnere mich z.b. an den geschmack der spritze, die ich am ende der chemo zur portspülung bekommen habe. ich erinnere mich an die schwachheit in meinen gliedern. an den schwindel. ich erinnere mich an mein abscheuliches bauchgefühl nach der chemo. und das ist neu, erst jetzt empfinde ich es als abscheulich. manchmal wird mir regelrecht flau im magen, wenn meine gedanken durch die erinnerung spazieren. und vorallem gerade jetzt gibt es so unglaublich viele momente in denen ich dankbar bin, dass der krebs meinen körper wieder verlassen hat. ich habe dann bewusst das gefühl die zeit vergeht langsamer. besonders in momenten mit meiner nichte. wenn sie vor mir sitzt und über meine wange streichelt und mit haarewuscheln feststellt, dass meine haare immer länger werden. oder wenn der kleine neffe in meinen armen einschläft und die zeit stehen bleibt. genau dann wird mir unfassbar bewusst wie schief es gehen hätte können. und da kommt der groschen ins spiel. er fällt. in letzter zeit oft ganz laut. und mir wird bewusst wie dankbar ich bin, noch hier zu sein. wie dankbar ich bin, dass meine nichte mir durch die haare wuscheln kann. dankbar, dass mein neffe in meinen armen einschlafen kann. und in stillen momenten, wenn ich in der natur bin, die ruhe und die vollkommenheit wahrnehme, kommen sie. die tränen. tränen der dankbarkeit. tränen der erleichterung. tränen weil mir bewusst wird, dass es keine seifenblase war sondern echt. das erste mal seit dem diagnosegespräch. auch jetzt, während ich das schreibe. ist man im behandlungsmarathon, lebt man wie in einem uhrwerk. vielleicht habe ich mich so auf meinen weg aus dem krebs konzentriert, dass ich für tränen keine zeit hatte. denn ganz schnell werden die behandlungen irgendwie selbstverständlich und zum alltag. eine station folgt der nächsten. bis mit der reha und der wiedereingliederung ins arbeitsleben mehr als ein jahr ausnahmezustand zu ende geht. da blieb mir nicht viel zeit, und irgendwie auch keine gelegenheit, mir darüber bewusst zu werden, dem tod von der schippe gesprungen zu sein. erst letztens hab ich gelesen, dass man sich wohl ab diagnose als krebsüberlebende bezeichnen darf. das habe ich geschafft. äußerlich nimmt keiner wahr was für ein glück ich hatte. aber auch wie sehr es mich verändert hat. aufgrund dessen, da die äußerlichen spuren verschwinden, kann ich derzeit ganz schlecht mit dem kompliment > du siehst aber gut aus < umgehen. oder die aussage, wie toll es doch ist, dass bald das arbeiten wieder losgeht und das alte leben zurück kommt. das alte leben kommt nie mehr zurück. es ist jetzt ein neues. eines in das ich nun nach diesem jahr passe. und um ehrlich zu sein, in diesem wache ich eigentlich fast jeden tag mit dem gedanken krebs auf und gehe damit ins bett. ob ich will oder nicht, ist der gedanke auf eine bestimmte art und weise allgegenwärtig. das darf man nicht falsch verstehen, denn er ist nicht mit negativen gefühlen gehaftet. aber es führt unweigerlich dazu, dass man das leben aus einem anderen blickwinkel betrachtet. derzeit etwas mehr als weniger. ich weiß, ich kann mich unheimlich glücklich schätzen, dass das nun alles hinter mir liegt. und das ist wohl auch ein grund, weshalb ich mich unglaublich auf weihnachten freue. vom weihnachten ohne haare und mit krebs zum weihnachten mit haare und ohne krebs. das fühlt sich großartig an!

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nachsorgetermine beschleunigen gefühlt meinen alterungsprozess

so, jetzt hab ich definitiv die erste nachsorge bestanden 🌟

ein etwas umständlicher weg dort hin. aber von anfang an. mein erster nachsorgetermin war in der 1. pinktober woche. 

zuerst hatte ich meinen termin bei der gynäkologin. nach diesem hab ich beschlossen zu wechseln. ich brauch echt keine übermäßige betüdelung, aber etwas fingerspitzengefühl in meinem fall wäre durchaus angebracht. also ging ich mit einer arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für sage und schreibe 4 tage und keiner überweisung an die radiologie oder einer kurzen planung der nachsorge aus der praxis. nachdem ich mir aufgrund meiner unsicherheit des sehr knotigen narbengewebes recht unsicher beim abtasten bin, wurde darauf schon gleich gar nicht eingegangen und als ich von meiner entscheidung einer späten wiedereingliederung erzählt hab, sprach ihr gesichtsausdruck bände. damit solle ich dann doch besser zur onko gehen. und die ständige info darüber das meine krankenkasse so nervt juckt mich tatsächlich auch nur peripher. danke und auf nimmer wiederschaun!

zwei tage später war der termin meiner onko. lymphsono und abdomensono. alles unauffällig, aber meinen blutdruck hätte man bis zu dieser aussage nicht messen dürfen. da ich gerne ein komplettes staging wollte, aufgrund meiner tumorbiologie, bekam ich eine überweisung zum pet-ct. dann werden knochen und lunge gecheckt und natürlich nochmals lymphknoten und leber. ihr glück meine wiedereingliederung zu machen, konnte sie auch nicht ganz nachvollziehen. aber erstmal erleichtet über das ergebnis und mit einer arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für 4 wochen ging ich aus der praxis.

jetzt musste eine neue gyn her. ich hatte eine im hinterkopf. empfehlung der strahlenärztin. angerufen, termin gemacht, 1 monat warten.

dazwischen war das pet-ct. dazu wird einem eine leicht radioaktive zuckerlösung gegeben. da tumorzellen bekanntermaßen einen erhöhten stoffwechsel haben werden diese durch diese spezielle form der bildgebung sichtbar. der vorlauf… blutabnehmen, radioaktive substanz, zuckerlösung trinken, nahm die meiste zeit in anspruch. das ct ging flott. befund dauert ca. 3 tage und wird ausschließlich an die onko geschickt. nachdem ich 4 tage später angerufen hab, wurde mir versichert, dass nichts dramatisches ist.

vor einer woche war mein termin bei der neuen gyn. und was soll ich sagen… toll! zu meinem glück auch praktizierende onko. doppelt gemoppelt schadet nie. ich bekam mein erstgespräch, mit viel zeit, abtasten und eine überweisung zur mamma-sono. denn frühestens 4 monate nach der bestrahlung wird ein sono empfohlen. besser eigentlich 6 monate. mein termin stand für anfang dezember. 

gestern war termin bei der onko für die wiedereingliederung und befundbesprechung des pet-ct. sie hat mir empfohlen den sono-termin vorzuverlegen. im op gebiet leuchte es auffällig und ein lokalrezidiv kann anhand des pet-ct nicht ausgeschlossen werden 💥 WTF?! gut, ganz langsam… das op gebiet ist vernarbt. es arbeitet. alles was nicht ’normal‘ ist leuchtet auf. aber um auf nummer sicher zu gehen muss es kontrolliert werden. 

also gleich mit der radiologie telefoniert und heute morgen den termin gehabt. ja man sieht was. kann aber nur narbengewebe sein. es ist extrem unwahrscheinlich, dass zweieinhalb monate nach bestrahlung und vorangegangener chemo mit komplettremission eine zelle überlebt hätte. das wurde mir von der ärztin und dem chefarzt erklärt. 

leck mich am arsch… das herzklopfen bei meiner onko vor dem sono war ja ein kindergeburtstag gegen heute morgen… geschweige denn die stunden davor. denn da kommen sie. die gedanken… klar, ich hab ein kilo abgenommenen… der krebs frisst wohl schon von mir… und dann sind da die kleinen narbenknubbel, mein vitamin-d-spiegel ist auch etwas zu niedrig und da hat es geziept und da war auch was und… und… und… ganz logisch. äh nein… total unlogisch, denn was soll sein? aber mein kleines meta-männchen… das phantasiert so gerne vor sich hin. braucht ja auch eine beschäftigung. nun gut, haken an die erste bestandene nachsorge mit extra thrill. öfter brauch ich das definitiv nicht. die falten die seit gestern mittag dazu gekommen sind ignoriere ich jetzt einfach mal gekonnt. nichts desto trotz hab ich das gefühl, dass mich die anspannung vor den kontrollterminen mehr altern lässt als die vorangegangene chemo, op und bestrahlung. ich hab nicht das gefühl, dass ich von meiner krankheit recht gezeichnet bin. nur die unbedarftheit ist verflogen… und zwar aufgrund der erfahrung wie gestern und heute. 

ein aufregender monat ist nun abgeschlossen und ein dicker fetter ✔ an die 1. nachsorge!