die problematik der bewältigung…

dabei geht es nicht um die bewältigung meiner erkrankung, zumindest nicht vorrangig. sondern schlicht und ergreifend um die bewältigung meines alltages. so jetzt ist es raus. seit geraumer zeit ist es für mich eine heidenarbeit, meinen alltag zu bewältigen. und das fängt mit dem aufstehen morgens an. aber mal ein jahr zurück geblickt…

im februar 2017 war meine wiedereingliederung zu ende und ich hatte wieder einen vollen arbeitstag. zwar nur 7 stunden und 4 tage die woche aber ich war wieder da. grundsätzlich eine schöne tatsache. denn es gab keine behandlung mehr und ich war zurück im normalen leben. so normal es halt sein kann nach dem krebs. als ich meine stunden auf 8 erhöhte kam der druck. ich ‚muss‘ 8 stunden arbeiten um auf mein soll zu kommen. blöde psyche… und als einmal unerwartet und länger not am mann wurde wars vorbei mit meiner rosaroten arbeitsbrille. das erste mal das ich vor druck fast geheult hätte. im büro. seitdem hänge ich in einer tretmühle und tue mich sehr schwer aus zusteigen. ich sage es nur ungern und auch nur unter vorgehaltener hand, aber ich habe die zeit während meiner behandlung tatsächlich genossen. das zu tun was und wann ich es wollte und mir genau dann eine pause zuzugestehen, wann sie nötig war. jetzt ist das etwas komplizierter, denn die pause gibt es erst dann wann wochenende ist und mein freier tag.

um es mit einer buddhistischen weisheit zu sagen: wenn ich liege, sitze ich schon und wenn ich sitze, steh ich schon. wenn ich stehe gehe ich schon. wenn ich das auf mich umlege, dann renn ich bereits, obwohl ich noch sitze. es fällt mir zum beispiel mittlerweile unglaublich schwer den kopf morgens noch frei zu lassen beim zähne putzen, ohne schon an den einkauf abends zu denken. vor einem halben jahr war das noch überhaupt kein problem für mich. leider belastet mich das ganze wohl so sehr, dass mein blutdruck zu hoch ist. gut, ich habe grundsätzlich familiär einen höheren blutdruck, was für die derzeitige situation aber nicht gerade förderlich ist. so sitze ich bei der ärztin und vor mir, nach der blutdruckmessung, eine kreidebleiche arzthelferin, welche am liebsten den krankenwagen rufen würde. ja, so hoch ist mein blutdruck. so hab ich nun eine zweimonatige betablocker testphase durch und festgestellt, dass ist nix für mich. bescheidene nebenwirkungen. diese wiederum schlecht für die buchhaltung und der blutdruck wird nicht niedriger. in testphase zwei wird nun ein anderes medikament getestet und bald ein kurs zum autogenen training begonnen, in der hoffnung meinem blutdruck einhalt zu gewähren, bevor er gefäße und organe schädigt. und wäre der ganze alltag, nachsorge und rückfallsangstgedönskakk nicht schon genug, trägt das natürlich zusätzlich noch zu meinem angespannten alltag bei.

hm… ich habs. eine haushaltshilfe. das würde mir helfen. das würde mir einiges erleichtern. natürlich von der krankenkasse subventioniert. denn ich soll ja stress vermeiden. haben die ärzte seit diagnose zu mir gesagt. allesamt. deshalb arbeite ich nur 4 tage die woche. soll mich moderat bewegen und eine ausgewogene ernährung haben. was alles überhaupt keine zeit beansprucht… deshalb nehm ich weniger gehalt mit mehr zeitinvestition in einen bewussten lebensstil gerne in kauf. also könnte die krankenkasse doch locker eine hilfe springen lassen. vorallem um unnötige zukünftige kosten einer behandlung für eine herzerkrankung… oder im schlimmsten fall wiedererkrankung zu vermeiden.

ohje… das war vll ein wenig zu sarkastisch… allerdings merkt man wie angespannt ich bin… in meinem kopf dreht es sich nicht mehr darum, dass ich krebs hatte, sondern darum meinen blutdruck zu senken. und ich merke wie sich mein herz jedes mal zusammenzieht wenn ich die manschette zur messung anlege. das ist so auffällig, dass auch meine onko der meinung ist, dass es höchstwahrscheinlich eine psychische sache ist. aber, ich hab noch ein paar möglichkeiten im ärmel… also heißt es grad abwarten und austesten.

aber zu den guten dingen! meine erste nachsorge dieses jahr verlief unauffällig! blutwerte gut. leber- und lymphsono unauffällig. und termin zur portentfernung steht auch. urlaub für den spätsommer ist gebucht und ich versuche trotz tretmühle mich am arsch lecken zu lassen. zugegeben… nicht immer leicht, aber wichtig.

in diesem sinne streck ich jetzt erst mal alle viere von mir und genieße das kalte wochenende mit nix tun und blöd schauen 😏

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9 Gedanken zu “die problematik der bewältigung…

  1. Vale47 schreibt:

    Hi Dani, Du sprichst mir aus der Seele. Mir ging es noch bis Januar ganz ähnlich – ohne Blutdruck-Gedöns allerdings. Ich weiß genau, wie das ist. Gesunder Lebsstil, Arzttermine und ein bisschen Freizeitgestaltung ist wie ein zweiter Vollzeitjob. Ich schick dir später mal ne Mail. Drück Dich

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  2. Der Feind in mir schreibt:

    kann das alles sehr gut nachvollziehen. hast du es mal mit entspannungstechniken versucht (jacobsen oder sitzmeditation) oder taichi oder qigong? sport entstresst auch – wenn man erstmal drin ist in der routine, geht das von allein. denke bei mir ja auch, dass der stress mich letztes jahr zu fall gebracht hat. hab jetzt auch meine arbeitszeit auf 36 stunden reduziert (und das gehalt gleich mit). freitag mittag ist feierabend, und ich fahr im anschluss sofort zum schwimmen. das entspannt und macht glücklich. mein haushalt ist noch ordentlich, aber keine prio. da ich kein koch bin, esse ich viel rohkost und salate. samstag ist trödeltag. 😀 lg und schönes we!

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    • unfuckingfassbar schreibt:

      huhu, meditation ist nicht meins. qi gong praktiziere ich. iwie ist das alles ein bisschen kompliziert. ich weiß auch den auslöser seitdem es mir so geht, und muss jetzt eine methode finden das abzulegen. deshalb will das autogene training probieren um direkt eingreifen zu können. denn das mein bldr nach oben schießt kenn ich seit der schulzeit, nur das er sich nicht mehr entspannt is neu… lg zurück und ein schönes we 😃

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  3. derbrustkrebsundich schreibt:

    Hi Dani, also ich kann nur empfehlen den Job noch mehr zu kürzen, sonst bleibt das Leben auf der Strecke! Und genau das soll es ja nicht!!! Wollen wir doch alles besser , anders machen. Es hilft nix, wenn der Kopf nicht frei wird und AT ist nicht die Lösung. Ich bin aus meinem alten Leben ausgestiegen, und das tut richtig gut. Ich habe neue Prioritäten gesetzt, und verzichte jetzt auch gern mal auf Materielles für meinen Seelenfrieden! LG aus Berlin

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  4. Red & Welly schreibt:

    Ja, das ist wohl etwas, was jeder Krebspatient wortlos verstehen kann. Auch ich! Der Alltag nach dem Krebs ist eben ein anderer und irgendwann werden Komponenten, die dort stören, ausgetauscht. Bei mir war es der Job, bei anderen bereundeten Krebspatientinnen der Partner oder die Wohnung. Auch du wirst für dich einen neuen Alltag finden, der für dich passt. Ganz bestimmt. Es braucht einfach alles seine Zeit. Falls es dich interessiert: http://redwelliesblog.com/tag/alltag/
    Alles Liebe weiterhin von Red&Welly

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